Die 12 Jung-Archetypen
Du kennst den Helden, der alles retten muss, die Fürsorgliche, die nicht Nein sagen kann, den Rebellen, der die Regeln mit Absicht bricht. Wahrscheinlich warst du selbst schon einer von ihnen, ohne es je gewählt zu haben.
Achte auf die Gestalten, die in Geschichten auftauchen, die du nie gelesen, und in Filmen, die du nie gesehen hast, und die du trotzdem sofort wiedererkennst. Der weise alte Führer. Der rastlose Entdecker. Der verwundete Heiler. Sie wirken vertraut, weil etwas in dir sie längst kennt.
Carl Gustav Jung hatte einen Namen für diese wiederkehrenden Figuren. Er nannte sie Archetypen und war überzeugt, dass sie in uns allen leben.
Was Archetypen sind und woher sie kommen
Jung bemerkte, dass dieselben Bilder, Themen und Figuren in Kulturen auftauchen, die einander nie begegnet sind. Der Sintflutmythos, das göttliche Kind, der Trickster, die große Mutter. Er schloss daraus, dass unter deinen persönlichen Erinnerungen eine tiefere Schicht der Psyche liegt, die alle Menschen teilen. Er nannte sie das kollektive Unbewusste.
Archetypen sind die Bewohner dieser Schicht. Sie sind keine Erinnerungen und keine erlernten Ideen. Sie sind ererbte Sinnmuster, fertige Vorlagen dafür, wie man in wiederkehrenden Situationen Mensch ist: Gefahr begegnen, sich verlieben, ein Kind großziehen, nach Wahrheit suchen. Du lernst den Helden nicht. Du erkennst ihn.
Der Archetypus ist im Wesentlichen ein unbewusster Inhalt, der durch seine Bewusstwerdung und das Wahrgenommenwerden verändert wird, und zwar im Sinne des jeweiligen individuellen Bewusstseins, in dem er auftaucht.
Ein Archetyp ist also universell, aber die Art, wie er in dir erscheint, ist persönlich. Der Liebende in deinem Leben sieht anders aus als der Liebende in meinem. Das Muster ist geteilt. Der Ausdruck gehört dir allein.
Eine kurze Tour durch die 12
Die meisten verbreiteten Karten fassen die Archetypen in zwölf erkennbare Figuren. Jede trägt eine Kernsehnsucht und eine Art, der Welt zu begegnen:
- Der Unschuldige will sicher und glücklich sein und vertraut darauf, dass es gut wird.
- Der Jedermann will dazugehören und verbunden sein und bleibt gern bodenständig.
- Der Held will seinen Wert durch Mut und Können beweisen.
- Die Fürsorgliche will andere schützen und nähren.
- Der Entdecker will Freiheit und neue Erfahrung und fürchtet das Eingesperrtsein.
- Der Rebell will umstürzen, was nicht funktioniert, und bricht dafür die Regeln.
- Der Liebende will Nähe, Schönheit und tiefe Verbindung.
- Der Schöpfer will etwas von bleibendem Wert erschaffen.
- Der Narr will im Augenblick leben und das Schwere durch Spiel leichter machen.
- Der Weise will die Welt durch Wahrheit und Wissen verstehen.
- Der Magier will die Gesetze des Lebens begreifen und Wirklichkeit verwandeln.
- Der Herrscher will Ordnung, Kontrolle und eine Welt, die gut läuft.
Lies diese Liste langsam. Einer oder zwei haben dich vermutlich stärker angezogen als die anderen. Halte dieses Gefühl fest.
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Hier kommt der Teil, den die meisten Archetypen-Ratgeber überspringen. Jeder Archetyp hat zwei Gesichter.
Im besten Fall ist der Held mutig und beschützend. Im Schatten macht der Held aus allem einen Kampf und kann nicht ruhen. Die Fürsorgliche, die nährt, kann auch ersticken und die Menschen, denen sie dient, heimlich grollen. Der Weise, der nach Wahrheit sucht, kann kalt, distanziert und überheblich werden. Dieselbe Energie, die dir deine Gabe schenkt, wird übertrieben zur Falle, in die du immer wieder gerätst.
Deshalb lag Jung so viel am Schatten. Die Anteile eines Archetyps, die du nicht sehen willst, verschwinden nicht. Sie wirken im Hintergrund und steuern dich. Ganz zu werden, was Jung Individuation nannte, heißt, beiden Gesichtern deines Musters zu begegnen, statt so zu tun, als hättest du nur das helle.
Wie du deinen dominanten Archetyp findest
Du musst nicht wählen. Dein dominanter Archetyp zeigt sich meist von selbst, wenn du ehrlich hinschaust. Frag dich:
- Wonach greifst du unter Druck: Kontrolle, Flucht, Rettung, Analyse, Auflehnung?
- Was hast du als Kind stundenlang getan, ohne dass dich jemand darum bat?
- Worauf verlassen sich Freunde bei dir, fast ohne es zu merken?
- Welche Kritik hörst du am häufigsten, dieselbe dein ganzes Leben lang?
Die letzte Frage zählt am meisten, denn dein Schatten zeigt direkt auf deinen Archetyp. Dem Herrscher sagt man, er sei kontrollsüchtig. Dem Narren sagt man, er nehme nie etwas ernst. Das Muster versteckt sich in der Beschwerde.
Deinen Archetyp zu benennen, heißt nicht, dich in eine Schublade zu stecken. Es ist das Gegenteil. Sobald du das Muster siehst, wirst du nicht mehr von ihm gelenkt, sondern beginnst, mit ihm zu arbeiten. Genau dort beginnt echte Veränderung.
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Häufige Fragen
Was sind die 12 Jung-Archetypen?
Es sind zwölf universelle Charaktermuster aus dem Umfeld von Jungs Werk: der Unschuldige, der Jedermann, der Held, die Fürsorgliche, der Entdecker, der Rebell, der Liebende, der Schöpfer, der Narr, der Weise, der Magier und der Herrscher. Jeder drückt eine Kernsehnsucht und eine Art aus, der Welt zu begegnen.
Hat C.G. Jung wirklich 12 Archetypen benannt?
Nicht ganz. Jung beschrieb Archetypen als unzählbar und benannte zentrale wie den Schatten, Anima und Animus, das Selbst und den weisen Alten. Die bekannte Zwölferliste wurde später populär gemacht und baut auf seinen Ideen als zugängliche Karte wiederkehrender menschlicher Muster auf.
Kann man mehr als einen Archetyp haben?
Ja. Du trägst alle zwölf in dir, doch meist dominieren ein oder zwei und prägen deine Entscheidungen am stärksten. Andere treten in anderen Lebensphasen oder Situationen hervor, weshalb sich dein Muster mit der Zeit verändern kann.